Architekt Günther Dechant

100 Jahre Landhaus Marsdorf in Familienbesitz
am 17. Mai 2003
Kurze Ansprache von Günther Dechant

„Die Menschen bei dir zu Hause“, sagte der kleine Prinz,
„züchten fünftausend Rosen in ein und demselben Garten…

und doch finden sie dort nicht was sie suchen…"
„Sie finden es nicht“, antwortete ich…

„Und dabei kann man das, was sie suchen,
in einer einzigen Rose oder in einem bisschen Wasser finden…"
Ganz gewiss“, antwortete ich.

Und der kleine Prinz fügte hinzu:
„Aber die Augen sind blind. Man muss mit dem Herzen suchen.“

Zitat aus „Der Kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry

 

Was aber ist es, was die Menschen suchen?
Ich denke, es ist die
- Menschlichkeit
- die Herzlichkeit
- das Gefühl, empfangen zu sein

Eigenschaften, die der kleine Prinz alle in sich verkörpert hat und die für uns Menschen gerade in der heutigen Zeit immer wichtiger werden.

Eigenschaften, die manche Menschen in sich tragen und auch gerne weitergeben — diese zähle ich jetzt einfach einmal zur 1. Kategorie.

Andere Personen versuchen, diese Eigenschaften sich wieder anzueignen, sie wieder zu lernen — sagen wir also: die zweite Kategorie.

Ja, und die dritte Kategorie gibt es natürlich auch — leider — nämlich die Menschen, denen derartige Eigenschaften quasi fremd sind.

Liebe Erika, lieber Mathias, liebe Annett,
Ihr gehört ganz eindeutig zur 1. Kategorie und die Menschen der 2. und 3. Kategorie sollten zu Euch in die Schule gehen. Euer Reservoir an Menschlichkeit und Herzlichkeit scheint sich nicht zu erschöpfen. Jedes Mal, wenn meine Frau und ich von Euch nach Hause fahren, haben wir trotz der getanen Arbeit das Gefühl, eine Auffrischung von Euch erhalten zu haben — ja: eine wohltuende, erquickliche Auffrischung; denn Eure Wärme kommt von innen, ist natürlich und dient nicht dem Profit. Die Großpackung Humor, die Ihr immer zuhause habt, ist unverfälscht und Dein Lachen, liebe Erika, reißt einfach mit!

Nicht zu vergessen natürlich auch die Küche unter Deiner Leitung, Annett — sie lässt ahnen, wie es im Schlaraffenland einmal gewesen sein könnte.

Es ist einfach schön, bei Euch zu sein.

Liebe Familie Grütze,
mit dieser Skulptur wollte ich diese drei Eigenschaften symbolisch nach außen tragen, insbesondere das Empfangen sein, das sich auch im neuen Logo widerspiegelt — durch die sich öffnende Schale, die sich dem Betrachter darstellt wie offene Arme — soll sich der Gast und der Freund willkommen und aufgenommen fühlen.

Ich wünsche Euch und uns, dass Ihr noch lange vielen Gästen diese drei Eigenschaften zukommen lassen könnt.

…ein Wort noch zum neu gestalteten Innenhof-Garten:
in der Liebe zur Natur wollte ich hier einen Raum schaffen, in dem die Platzierung des Quellsteines „des Marssteines“ mit seinem verwitterten Aspekt des Gesteins nicht nur Dominanz, sondern auch in Kombination mit dem großen, aufrecht dahinter stehenden Stein Spannung erzeugt.
Schön für Auge und Ohr soll der Wasserfall zu einem rhythmischen Instrument werden. Das Gestein und vor allem die kleinen Spitzsteine sollen in ihrer disziplinierten Verlege-Richtung entlang des Wasserlaufes Geschwindigkeit und Kraft erzeugen.
Die Lichtstimulation (dafür müssen Sie aber mal am Abend vorbeikommen) bringt dabei sicher auch mystisch-interessante Aspekte.

So soll der Garten zum einen den Betrachter zur Stille führen, ihm Lebensenergie geben, aber auch innere Bewegung und Wandlung erzeugen — denn Wandlung ist Leben — und nicht zuletzt den Gast hineinleiten in das Landhaus Marsdorf.